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Das T. myosura - Aggregat 

umfasst die Arten T. andicola, T. angulosa, T. gilliesii ssp. gilliesii und ssp. polysticha, T. hirta, T. mandonii, T. myosura und T. retorta.

 

T. andicola  Gillies ex Baker, 1878

 

Verbreitung ausschließlich in Argentinien, wo es mehrere Fundorte in den Provinzen Catamarca, La Rioja, Mendoza und Buenos Aires in Höhen zwischen 1200 m und 2000 m gibt.

Obwohl schon vor mehr als einem Jahrhundert beschrieben, waren tatsächliche Exemplare dieser Art bis vor wenigen Jahren nicht einmal in den Sammlungen botanischer Gärten vorhanden (nur anderes unter falscher Bezeichnung).

Vegetativ ähnelt T. andicola  einer sehr langstämmigen T. retorta, die aber mit ihren kurzen Stämmen kompakte, meist kugelförmige Gruppen bildet und  ein tiefer gelegenes Areal entlang des Andenostrandes besiedelt.

 

T. andicola in der Cuesta de Miranda, 1850m, La Rioja, Arg.

 

links und unten : T. andicola auf der Cuesta de la Chilca, 1700m, Catamarca, Arg.

 

 

 

 

 

 

 

T. andicola wächst in großen Klumpen epiphytisch im Geäst niedriger laubabwerfender Bäume, oder auch am Boden. Die Einzelpflanze kann bis 30 cm Länge erreichen, die starren, stechenden Blätter sind zweizeilig oder spiralig (polystich) angeordnet.

 

 

Die ausgeprägte Kälte- und Trockenzeit in ihrer Heimat sollte man durch eine möglichst helle, kühle und luftige Überwinterung nachvollziehen, da die Pflanze sonst zu Stammfäule neigt.

 

 

 

 


 
T. retorta Grisebach ex Baker 1879

Epiphytisch in mehreren Provinzen Mittelargentiniens in Höhen zwischen 500 m und 1200 m verbreitet.

Pflanzen im Gegensatz zu der nahe verwandten
T. andicola
nur bis 10 cm lang, die zweizeilig angeordneten, zurückgekrümmten Blätter zeigen eine deutliche Längsnervatur.

T. retorta, Sierra de Chamical, 900m, La Rioja, Arg.

 

 

T. myosura Grisebach ex Baker 1897

Auch von dieser Art gibt es mehrere Formen, von denen die kleinste und bekannteste  die der Typuslokalität bei Cordoba in Mittelargentinien  ist.

Es handelt sich um weiß beschuppte, in dichten Klumpen wachsende Pflanzen mit schlanken, meist stark zurückgekrümmten Blättern, die eine deutliche Längsnervatur aufweisen und kahlen, grün erscheinenden Blattscheiden. Diese Form von T. myosura besiedelt in mittleren Höhen bis max. 2000 m ein großes Areal, das sich von Mittelargentinien bis Südbolivien in die Gegend von Tarija erstreckt.

 

links : T. myosura östl. Tarija, 2000 m, Bolivien

rechts : T. myosura westl. San Luis,500 m, Argentinien

 

Daneben gibt es noch zwei andere Formen.
Die eine ist auf Bolivien beschränkt, wo es Fundorte bei Tarija und südlich der Stadt Sucre gibt. Sie ist größer als die Typusform, unterscheidet sich etwas im Blütenbau (W. Till 1984), aber vor allem durch die oliv-grauen Blätter. Ihr Verbreitungsareal liegt mit 2000 m bis 2600 m Höhe über dem der Stammform.

  

Das Verbreitungsgebiet einer dritten, sehr groß werdenden und recht dekorativen Form ( hier T. myosura fa. maior genannt), die ausschließlich epiphytisch wächst, reicht vom Süden der Provinz Cochabamba bis ins argentinische Catamarca. Sie ist nur in niedrigeren Lagen verbreitet und besiedelt sogar in den heißen Trockentälern Boliviens nur Höhen unterhalb ca. 1600m.

        unten und rechts: T. myosura fa. maior, HR 5265, Rio Mizque, 1400m, Cochabamba, Bolivien

 

An den wenigen, sehr weit voneinander entfernten Fundorten kann es kleinräumig zu Massenbeständen kommen.

Die Pflanzen erreichen blühend eine Länge von 40 cm und bilden lockere, sperrige Gruppen. Die steifen, bogig zurückspreizenden Blätter sind bis 15 cm lang und weisen keinerlei Längsnervatur auf.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

T. mandonii  Morren ex Mez 1896

 

nimmt in letzter Zeit wieder den Rang einer Art ein, nachdem sie lange Zeit als Synonym zu T. crocata aus der Tillandsia- Untergattung Phytarrhiza angesehen worden war.

Die Pflanzen sind blühend nur 15 - 20 cm groß, die weichen, grauen Blätter stehen zweizeilig und sind im Querschnitt nur 3 mm dick. Blüten klein und unauffällig bräunlich-gelb.

Verbreitet in Bolivien und Argentinien, es sind aber nur wenige, weit von einander entfernte Fundorten bekannt :
Bolivien:
Dept. La Paz: bei Sorata;  Dept. Tarija: Campo Serere; in Argentinien nördlich der Stadt Salta und in Tucuman.

 

rechts : T. mandonii HR5177, Campo Serere,1500m, Tarija, Bolivien

 

T. angulosa   Mez 1896

So wie manche andere vor so langer Zeit beschriebene Art war auch T. angulosa unseres Wissens bis zu unserer Aufsammlung in keiner europäischen Sammlung vertreten, wenn auch andere Pflanzen unter diesem Namen kultiviert wurden.

In der Literatur sind für die Art zwei Fundorte angegeben, an einem davon, dem Cerro de la Gloria, ein Bergkegel mitten in der Stadt Mendoza, der als Ausflugsziel "gestaltet" wurde, dürfte sie ausgestorben sein.
In ihrem übrig gebliebenen Areal in der Dornbuschsavanne nahe Famatina ist sie recht selten.

T. angulosa HR7251, Famatina, 1500m, La Rioja, Argentinien

Es ist jedes Mal eine aufregende Angelegenheit, den Standort einer Pflanze aufzusuchen, die man noch nie gesehen hat, und die man höchstens nach der mäßigen Wiedergabe einer Schwarz- weiß- Zeichnung kennt.

 So war es auch bei T. angulosa der Fall. Am Vortag schon hatten wir in einer ganz anderen Gegend ein uns unbekanntes kleines Pflänzchen mit polystichen, dicken, kantigen, sehr kurzen Blättern gefunden. Erst, als wir die selben Pflanzen an der Typuslokalität, im Valle de Famatina, sahen, wussten wir, dass es sich um T. angulosa handelt.

Zum Glück wächst die Art aus Samen gut und im Vergleich zu anderen argentinischen Arten aus extremen Trockengebieten auch relativ rasch, sodass schon Pflanzen an zahlreiche andere Sammlungen abgegeben werden konnten.

 

 

 

T. hirta  W. Till & L. Hromadnik 1984


Verbreitet von Zentralperu, wo sie sowohl im Tal des Rio Mantaro, Dept. Ayacucho, als auch im Süden am Rio Pachachaca gefunden wurde, über das andine Bolivien bis nach Mittelargentinien. Das südlichste Vorkommen scheint in der Umgebung der Orte Cachi und Brealito, Dept. Salta, zu liegen.

 

 

 

 

rechts : T. hirta auf Helianthocereus (Lobivia) pasacana, Cachipampa, 3000 m, Salta, Argentinien

links : T. hirta bei Brealito, 2350m, Salta, Argentinien

 

 

 

In extremen Höhen ist T. hirta nur selten anzutreffen (ein einziges Vorkommen auf 3700 m bei Yunchara, S- Bolivien), aber auch nie unter 2500 m in Bolivien und 2300 m in Argentinien.

 

 

links und rechts : Typusform von T. hirta HR5001, Punata bei Cochabamba, 2700m, Bolivien

 

 

 

 

 

 


 

Pflanzen von T. hirta, vor allem aus Peru, sind schon seit vielen Jahren bekannt, wurden aber wegen ihrer habituellen Ähnlichkeit lange Zeit zu T. gilliesii gezählt. Sie unterscheiden sich von dieser Art aber deutlich durch die dichte, abstehende Beschuppung, durch die Stammlänge, den runden Blattquerschnitt und das Verbreitungsgebiet.

 

links und unten : kleine Formen von T. hirta HR9053, aus den Bergen oberhalb von Cotagaita, 3000 m, Potosi, Bolivien

Meistens wächst T. hirta auf Dornsträuchern, ist aber häufig auch auf Säulencereen zu finden, seltener auf Felsen.


 

 

 

 

 

Auch diese Art kann in den Wintermonaten tiefen Nachttemperaturen unter 0°C ausgesetzt sein ( in nur 2500 m Höhe bei Cotagaita hatten wir -5°C gemessen !), bei einhergehender absoluter Trockenheit.

 

Die Pflanzen vertragen bei uns im Frühsommer reichlichen Regen, sollten aber schon im Herbst trockener kultiviert und hell und kühl überwintert werden.

 

rechts außen: variierende Formen von T. hirta HR24028 und T. virescens auf Oreocereus neocelsianus, Yunchara, 3400m, Südbolivien

 

 

Während die Pflanzen an den verschiedenen Standorten in Argentinien und Peru ziemlich einheitlich aussehen und in ihrer Größe der Typusform aus der Provinz Cochabamba ähneln (Pflanze 10 bis 20 cm groß, Blätter 3-6 cm lang), trifft man im Bergland Südboliviens  auf immer neue kleine Formen dieser Art, mit längeren oder kürzeren Stämmchen, mehr oder weniger gekrümmten und schlankeren oder dickfleischigen Blättern.

 

 

 

 

Auch von  T. gilliesii  Baker 1878 

gibt es mehrere Formen, es sind aber nur zwei Subspecies beschrieben :

An der in der Erstbeschreibung angegeben Typuslokalität von T. gilliesii ssp. gilliesii, "Fuß der Cordillere nahe Mendoza", fanden wir ausschließlich die kleine Form.

 T. gilliesii ssp. gilliesii HR7302  bei Mendoza, 900m, Argentinien

Die einzelnen Pflanzen sind kaum über 5 cm breit und hoch, die Blätter sind streng zweizeilig und wirken besonders im ausgetrocknetem Zustand wie seitlich flach zusammengepresst.
Die Spreite ist an der Oberseite tief dreieckig gekielt, 4 mm hoch ("1/6 inch from the keel to the margin!") und verschmälert sich zur Spitze gleichmäßig.


Auch die Abbildung in der Monographie von Smith & Downs gibt diese Form wieder, die sich in Argentinien relativ häufig findet, von der Provinz Catamarca aus nach Süden bis in die Provinz Buenos Aires. Die Pflanzen bewohnen eine Höhenlage zwischen 850 m und 1650 m und sind an den verschiedenen Standorten im Habitus ziemlich konstant.

 

T. gilliesii ssp. gilliesii, links bei Mendoza HR7302, 900m,   rechts bei Tinogasta, HR7247, 1650m, Catamarca, Argentinien

 

 

 

 

 

 

 

Nun gibt es aber noch eine zweite, viel größere Form, deren Blätter ebenfalls zweizeilig angeordnet sind, 6-7 mm hoch, und sich erst zur Spitze hin ziemlich rasch verjüngen. Diese "forma maior" besiedelt das gleiche Verbreitungsgebiet, scheint aber viel seltener zu sein und wurde bisher nur an wenigen Stellen gefunden. Sie bewohnt Höhen zwischen 900 m und 1900 m.

T. gilliesii fa. maior HR 7261, bei Villa Union, 1400m, La Rioja, Argentinien

 

 

 

 

 

Ein größeres Verbreitungsgebiet hat

 T. gilliesii ssp. polysticha W. Till & L. Hromadnik  1984

Pflanzen dieser Unterart wurde vereinzelt auch schon in Südbolivien gefunden (E. Haugg bei Carrizal, 1984), in Argentinien ist sie bis in die Gegend von Mendoza und San Juan nachgewiesen. Weit südlich, bei Mendoza, wächst sie auf 900 m Höhe, ist aber am häufigsten zwischen 2000 m und 3000 m. Ihr Hauptverbreitungsgebiet scheint die Quebrada de Humahuaca in der Provinz Jujui zu sein, sowie in Salta das Valle de Calchaquies.

rechts : T. gilliesii ssp. polysticha HR7097, Quebrada de Humahuaca, 2400m, Jujui, Argentinien

Jungpflanzen sind oft noch zweizeilig, die polystiche Blattstellung zeigt sich häufig erst bei erwachsenen Pflanzen.

 

Alle Formen von T. gilliesii wachsen fast ausschließlich epiphytisch, auf Sträuchern und häufig auch auf Säulenkakteen.

links : T. gilliesii ssp. polysticha HR7132 auf Helianthocereus (Lobivia) pasacana, Cachipampa, 3000 m, Salta

 

Daneben gibt es stellenweise noch Pflanzen mit abweichendem Habitus, z.B. mit längeren Blattinternodien und schlankeren Blättern, bei denen es sich um Naturhybriden mit anderen Arten, vermutlich mit T. hirta oder T. myosura handeln dürfte, oder um Übergangsformen.
Ein Beispiel zeigt die Abbildung rechts:

HR7246, Tinogasta, 1650 m, Catamarca, Argentinien

 

 

 

 

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   last modified 07. 01. 2007